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#Wirkungsstory: Social Entrepreneurship in Ghana

17. März 2025

Im Januar 2025 ging es für unsere Kollegin Lena nach Ghana. Dort stattete sie dem Impact Hub Accra einen Besuch ab und bekam Einblicke in die Social Entrepreneurship- und Impact-Szene des Landes. Hier berichtet Lena von ihrem Gespräch mit Will Senyo (CEO), Kelechi Ofoegbu (COO) und Maame Yawson (Communications).

 

Die Impact-Szene in Ghana hat sich in den letzten Jahren als direkte Antwort auf drängende gesellschaftliche Herausforderungen und die Defizite staatlicher Institutionen entwickelt. Gründer:innen stehen vor der schwierigen Aufgabe, Lösungen für Probleme wie mangelnde Mobilität, unzureichenden Zugang zur Gesundheitsversorgung und einen angespannten Wohnungsmarkt zu finden. Will bringt es auf den Punkt: „Um die Frage zu beantworten, wie wichtig soziale Unternehmen sind: Sie sind alles!“

Räumlichkeiten des Impact Hub Accra
Visionieren und verändern: Die Rolle des Impact Hub Accra im Ökosystem

„We want your mama to be okay that you are building a business instead of getting a job at a bank“

 

Um zu verstehen, welche Rolle das Impact Hub Accra bei der Unterstützung sozialer Unternehmen spielt, lohnt ein Blick auf dessen beeindruckende Geschichte. Schon 2013 wurde der Hub von einer Gruppe visionärer Köpfe gegründet, die fest daran glaubte, dass soziale Innovationen echte Veränderungen bewirken können. Von Anfang an stellte der Hub wertvolle Ressourcen zur Verfügung, um Gründer:innen dabei zu unterstützen, ihre Geschäftsmodelle klar und effektiv zu strukturieren. Das Motto: „Wir möchten, dass deine Mama stolz darauf ist, dass du ein Unternehmen aufbaust, anstatt einen Job in einer Bank anzunehmen.“

Schnell bekam das Impact Hub Accra internationale Aufmerksamkeit und begrüßte prominente Persönlichkeiten wie Angela Merkel und Emmanuel Macron sowie namhafte internationale Unternehmen in seinem Space. Besuche wie diese zeigten der Welt das Potenzial junger ghanaischer Unternehmer:innen und inspirierten sowohl die nationale als auch die internationale Gemeinschaft.

 

Seither unterstützt der Impact Hub Accra Gründer:innen vor allem darin, Lösungen zu entwickeln, die auch tatsächlich funktionieren. „Wir haben genug gescheiterte Lösungen gesehen. Deshalb konzentrieren wir uns sehr darauf, sicherzustellen, dass die Gründer:innen die richtigen Annahmen treffen, wenn sie ein Unternehmen aufbauen.“ sagt Will. Und Kelechi ergänzt: „Wir wollen sicherstellen, dass Gründer:innen nicht nur Wissen erlangen, sondern auch in der Lage sind, es anzuwenden“. Will berichtet zudem von psychologischen Aspekten, die beim Geschäftsaufbau wichtig – und die stark kulturell geprägt sind. „In den USA ist beispielsweise das Freemium-Modell gängig, bei dem Kund:innen manche Dienste des Unternehmens kostenlos erhalten. In Accra wäre dieser Ansatz nicht praktikabel“. Der Impact Hub legt deshalb großen Wert darauf, dass Gründer:innen diese kulturellen Unterschiede verstehen.

The Mix Design Hub Accra – Teil des Impact Hubs
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Veranstaltung zum 10-jährigen Bestehen

Der Impact Hub Accra sieht sich selbst als experimentelle Organisation, die aktiv Veränderungen im lokalen Ökosystem bewirken möchte. Im Stadtteil Osu bietet der Hub eine vielfältige Mischung aus Wohn- und Arbeitsräumen sowie Freizeitmöglichkeiten für Tech-Gründer:innen, Social Entrepreneure, Kreative und Nomaden an und zeigt, was in Accra möglich ist. „Wenn wir unsere Arbeit gut machen – und das gelingt uns etwa 60 bis 70 % der Zeit – kann dieser Teil der Stadt als Wegweiser für die Zukunft fungieren“, erklärt Will.

Herausforderungen für Social Enterprises: Was Gründer:innen in Accra bewegt

Die Arbeit der Social Enterprises in Accra ist nicht leicht. Sie sehen sich oft erheblichen Herausforderungen gegenüber, die es ihnen schwer machen, soziale Projekte wirksam umzusetzen. Eine der größten Hürden ist der Mangel an qualifizierten Fachkräften. Die ghanaischen Bildungseinrichtungen konzentrieren sich in erster Linie auf traditionelle Berufsfelder. Das führt dazu, dass relevante Kenntnisse im Bereich „Entrepreneurship“ oft fehlen. Kelechi erklärt: „Um soziale Probleme wirklich anzugehen, fehlen häufig die notwendigen Fähigkeiten und die erforderliche Flexibilität.“ Aus diesem Grund sind viele Social Enterprises gezwungen, umfangreiche Schulungsprogramme anzubieten, um ihre Teams auf ein höheres Leistungsniveau zu heben.

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„For me, it’s not about not having money. It’s about not being innovative enough to know how to unlock more money. Those are two different things.“

 

Ein weiteres zentrales Problem: es fehlen innovative Ansätze zur Kapitalbeschaffung. Will betont: „Für mich liegt das Problem nicht darin, dass kein Geld vorhanden ist, sondern dass es an Innovationskraft mangelt, dieses Geld zu mobilisieren. Das sind zwei verschiedene Dinge.“ Oft werden soziale Unternehmen durch mangelnde innovative Finanzierungsmodelle gehemmt – vielversprechende Projekte scheitern. Während die steuerlichen Rahmenbedingungen in vielen Ländern, insbesondere den USA, so gestaltet sind, dass sie die Kapitalbeschaffung für soziale Projekte unterstützen, fehlen vergleichbare Mechanismen in Ghana. Will kritisiert: „Hier gibt es nicht genügend Anreize für Investor:innen, die in soziale Initiativen einsteigen möchten.“ Ein Grund, weshalb viele der Projekte des Impact Hubs Accra durch ausländische Finanzierungen ermöglicht werden. Gleichzeitig arbeitet das Team daran, eigene innovative Modelle zur Kapitalbeschaffung zu entwickeln.

Der Weg nach vorn: Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Man darf nicht vergessen, dass viele der sozialen Probleme in Ghana das Ergebnis einer schwachen Regierungsführung sind. Unternehmer:innen sollten nicht die einzigen sein, die sich diesen Themen annehmen. Will und Kelechi sagen: „Wir müssen zeigen, dass es möglich ist, mit sozialen Lösungen Geld zu verdienen, und dass diese Ziele nicht im Widerspruch zueinander stehen.“ Im Gegenteil: „Es sollte cool sein, Geld zu verdienen, während man soziale Probleme löst.“

 

Kelechi hebt hervor, dass politische Anreize – die in vielen Ländern bereits etabliert sind – auch für Ghana von entscheidender Bedeutung sind. „Ohne diese politischen Anreize werden wir uns im Kreis drehen“, warnt er. Ihr Appell ist eindeutig: Es ist an der Zeit, Worte in Taten zu verwandeln und die Voraussetzungen für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Entwicklung des sozialen Unternehmertums in Ghana zu schaffen.

Veranstaltung des Impact Hub Accra

„If you tie all of this together, we know who we are in this moment. Would it change in five years? You bet. We evolve with the community.“

 

Eines steht für Lena nach ihrem Besuch fest: Der Impact Hub Accra ist ein tolles Beispiel dafür, wie sich eine Organisation dynamisch mit der Gemeinschaft weiterentwickeln, Chancen erkennen und Trends setzen kann. Mit seiner Arbeit hat der Impact Hub nicht nur einen positiven Einfluss auf das Social Entrepreneurship- und Impact Ökosystem in Ghana, sondern auch auf die Stadtentwicklung in Accra. Lena ist schon gespannt, welche neuen Impulse sie bei ihrem nächsten Besuch erwarten!

 

Ein herzliches Dankeschön an Will, Kelechi und Maame für das inspirierende Gespräch!

 

 

Zur Website vom Impact Hub Accra